Rienzi - DIE Jugendsünde

Shownotes

„Rienzi“ ist fünf Stunden lang, braucht einen gigantischen Apparat und verschwand nach einer höchst problematischen Rezeptionsgeschichte fast von den Spielplänen. Jetzt bringt Bayreuth ausgerechnet das Werk zurück, das Wagner selbst dort nie vorgesehen hatte. Wir fragen: Ist „Rienzi“ zu Recht vergessen oder völlig unterschätzt? Warum klingt hier schon erstaunlich viel nach dem späteren Wagner? Was macht ausgerechnet Adriano zur spannendsten Figur? Und wie aktuell ist eine Oper über politischen Aufstieg, Manipulation und den ziemlich spektakulären Absturz eines großen Hoffnungsträgers?

Dazu: höllisch schwere Partien, jede Menge Ohrwürmer und ein Finale zwischen „Ben Hur“ und „Götterdämmerung“. Hat "Rienzi" eine zweite Chance auf den Spielplänen verdient? Diskutiert mit uns auf Instagram und LinkedIn: Larissa Schütz, Daniel Url

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00:00:00: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Opa ohne Erfurcht.

00:00:03: Folge Nummer sechs, jetzt reicht keine Hand mehr um die Nummer anzuzeigen!

00:00:07: Heute größere Distanz als sonst denn wir sind heute an den Hotspots des Sommers wo die Operndiebhaberinnen und Haber sein müssten.

00:00:16: Daniel sitzt in Bayreuth ich sitze in Salzburg es geht aber heute mehr um Bayreut also High-Nach-Bayreuth.

00:00:23: Hello hello ich hab auch die passende Tasse

00:00:27: hier.

00:00:28: Da musst du aber gut aufpassen, wenn wir uns wiedersehen.

00:00:30: Dass ich dir die nicht glaubt, wie es geil

00:00:32: ist!

00:00:32: Die halte ich unter Verschluss.

00:00:34: Ich muss jetzt einen Tressor.

00:00:37: Fahne Überleitung denn das Werk über das wir heute reden, das hätte Wagner persönlich glaube auch lieber im Tressort gehalten.

00:00:45: Also es ist ja wirklich keine Überraschung, dass wir in diesem Sommer über Renzi reden müssen, über die Premiere in Bayreuth und ja über diese Jugendzünde-Wagners.

00:00:59: Die er ja eigentlich da oben nie haben wollte.

00:01:01: Witziger Kniff Daniel!

00:01:03: Was habt ihr euch denn dabei gedacht?

00:01:06: Also vorab ich finde tatsächlich also wenn man wirklich dieser Mythos das er dem hier oben haben wollte... eine ganz andere Geschichte eigentlich.

00:01:17: Eigentlich ist das, ich würde sagen mal Interpretationssache wenn es gibt ja kein wirkliches Testament sondern er hat irgendwie einfach mal gesagt er würde gerne dann auf dem grünen Hügel nachdem quasi die ersten Premierundert stattgefunden haben alle seine Werke ab dem Hollinder dort in mustergütigen Aufführungen sehen.

00:01:34: Er hat aber selbst dann auch immer wieder an diesem Rehensi gearbeitet obwohl sozusagen diese Jugendsünde war.

00:01:40: und Ich muss auch sagen Es ist einfach ein wirklich gutes Werk.

00:01:42: Und warum nicht?

00:01:44: Dieses Werk auch am Hügel spielen, er hat es ja nicht explizit verboten.

00:01:48: Er hat es vielleicht nur nicht expliziert erwähnt aber er hat sich expliziert verboten und das Spannende finde ich ist... Ja Jung sind dahin oder her!

00:01:57: Es ist erstens wirklich einfach schon ein gutes Werk und zweitens war's zu Lebzeiten von Wagner der einzige wirkliche totale Mega-Erfolg.

00:02:06: also das war das Werk das zu seinen Lebzeiter eigentlich am erfolgreichsten war.

00:02:09: Woher

00:02:10: kommt es dann, dass das heute so den Ruf hat?

00:02:12: Dass er's eigentlich nicht mochte.

00:02:15: Ja... Auch dazu gibt es eine lustige Geschichte und zwar hat Cosima Wagner nach seinem Tod zusammen mit Felix Motto sozusagen eine eigene Version von dem Renzi rausgemacht weil es gibt de facto keine fertige Endversion von Wagner.

00:02:34: Er hat immer wieder daran gearbeitet.

00:02:36: Es gibt also eigentlich keine Fassung aus letzter Hand.

00:02:41: Und die Cosima Wagner und dieser Felix Motel haben dann diese Fassung gemacht, in der sie alles aber sehr so angelegt haben dass es halt mehr nach dem späten Musikdramatiker-Wagner aussieht um sozusagen diesen Mythos-Wagnon seinem Musiktrahmen irgendwie am Leben zu erhalten was dieses Werk ja eigentlich grundsätzlich nicht wirklich ist.

00:03:03: das Werk ist eigentlich so eine totale Grand Opera.

00:03:06: Als solches ist es geschrieben und da hat eigentlich klar, pass auf Momente wo du vorausblickst auf irgendwie Lohngrin oder Tannhäuser oder so drin.

00:03:15: Aber es ist an und für sich jetzt eben kein Musikdrama!

00:03:19: Und die haben das eben versucht ein bisschen anzupassen... Hat dem Werk aber allerdings nicht gut getan.

00:03:26: und dann ist das Werk nach und nach verschwunden, insbesondere auch durch die Connection mit den Nationalsozialisten.

00:03:33: Die hat dem Werk auch nicht so gutgetan und dadurch ist es eigentlich am zweiten Weltkrieg erst mal ziemlich

00:03:39: verschwinden.".

00:03:40: Und es ist auch, würde ich sagen gar nicht mehr so aufgetaucht.

00:03:44: denn also du musst das heute anleiten... Ich habe das tatsächlich einmal vor vielen Jahren gesehen, aber ich hab's überlegt Es ist mir auf den Spielplänen eigentlich auch nicht mehr aufgefallen, weil ich denke, ich wäre schon reingegangen, wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte.

00:03:58: Eben, es taucht hier und da mal auf... Ich hab's aber auch, weil dann jeweils zu den Orten hingereist bin, wo sie das gespielt haben aus Interesse ... Ich habe es mir immermals gesehen, aber es ist jetzt nichts was dir einfach so mal eben auf normalen Spielenpläne übern Weg läuft!

00:04:17: Und ich glaube, dass sich das in den letzten zehn, fünfzehn Jahren doch ein bisschen geändert hat.

00:04:21: Es gab dann doch hier und da mal Produktionen und ich habe eigentlich auch die Hoffnung dadurch, dass jetzt Bayreuth es auch sozusagen präsentiert hat zum Jubiläum – Das Werk so ein bisschen zweiter Chance kriegt!

00:04:33: Weil's ist wirklich auch ein gutes Werk.

00:04:36: Ein großes Werk?

00:04:37: Ein

00:04:37: großeswerk!

00:04:38: Selbst wenn man davon abzieht.

00:04:41: Also das ist wichtig, dass man drüber spricht.

00:04:43: Aber in unserem Podcast jetzt auch nicht die richtige Stelle über diese wirklich hochproblematische Rezeptionsgeschichte wie du schon gesagt hast im Dritten Reich dann wieder so hochverklärt worden ist, auch weil der Stoff das einfach hergegeben hat.

00:04:57: aber warum es jetzt aus rein künstlerischer Sicht vielleicht auch ist?

00:05:00: Ist ja einerseits das, das hatten wir schon beim einen oder anderen Werk, dass da immer ein Beigeschmack mit ist, wie man das inszeniert.

00:05:07: also da muss man sich glaube ich immer auseinandersetzen Wenn ich das so sagen darf, ein verreckt schweres großes Werk.

00:05:14: Allein was du da an Köhren brauchst?

00:05:17: An Power!

00:05:18: Ja es ist eine richtige Grand-Emperat.

00:05:20: Du hast ne ganze Riege an Solisten die auch wirklich teilweise hölle schwierige Partien haben.

00:05:26: Du hasst einen riesigen Chor, du hasst diese riesigen Tabloszenen, die wirklich absolut alles an Größe sprengen, was man sich so vorstellen kann.

00:05:35: Ein Orchester auch also... Das ist ein irre Apparat Und allein daher ist es natürlich irgendwie schwierig.

00:05:41: Ich denke auch, was die Rezeptionsgeschichte angeht, da muss man die Kirche glaube ich einfach ein bisschen im Dorf lassen.

00:05:46: Nur weil jetzt die falschen Leute irgendwas mögen, ist das nicht alles immer falsch?

00:05:51: Also das liegt ja nicht am Werk und ich glaub dieses Werk... also diese Geschichte von diesem Rienzi ist einfach etwas, was absolut eigentlich zeitlos ist.

00:06:02: Egal wo du das jetzt eigentlich verortest, dieser Aufstieg und Fall von seinem Politiker schlussendlich Aktueller geht's, glaube ich nicht.

00:06:10: Also wäre ja spannend gewesen, ob Herr Merz in der Premiere saß oder so.

00:06:18: Aber das ist halt... Das überdauert die Zeit im Prinzip.

00:06:21: Dass du sowas hast zu jeder Zeit und dass das natürlich dann auch... Und drum finde ich es eigentlich spannend, dass die Nationalsozialisten so darauf abgefahren sind weil klar einerseits hat er diesen Aufstieg von diesem Politiker, der durchaus Charisma irgendwie hatte und andererseits aber halt auch den tiefen Fall danach

00:06:37: Stimmt, ja.

00:06:38: Da ... Obacht?

00:06:40: Genau und wie du sagst das macht es ja auch total aktuell.

00:06:42: Und jetzt in Bayreuth war's ja auch sehr, sehr modern, sage ich mal instilliert was ich da vom reinschauen Ich war ja selber nicht in der Premiere Du schon Wir sehen hab mit den Bildschirmen Mit diesem aktuellen Politikbezug Und findest du das gut?

00:06:58: Weil ursprünglich ist es ja im Rom des vierzehnten Jahrhunderts angesiedelt.

00:07:03: Ja

00:07:03: aber da Genau.

00:07:05: Es ist ja basierend tatsächlich auf einer, also lose basierenden, auf einer realen Person und zwar im Rom eben des vierzehnten Jahrhunderts.

00:07:13: Und da finde ich immer lustig wenn du dann irgendwo alte Produktionen so siehst die das halt so in ganz klassischem antiken Rom spielen lassen oder so.

00:07:22: Nee!

00:07:24: Da war der Papst erstens sich in Avignon und zweitens... Also es ist einfach lustig, wenn dir das dann irgendwie... Da merkst du, da hatt' ihr aber nicht genau nachgelesen.

00:07:34: Aber die aktuelle Produktion hier spielt mehr oder weniger in so einer aktuellen utopischen Gesellschaft, wo du halt merkst dass sie durch ihre Handys und durch ganz viele Screens dauernd mit Projektionen und Filmen irgendwie bespielt werden.

00:07:53: irgendwie auch manipuliert werden.

00:07:55: Und das Erinnertheit finde ich schon auch irgendwie ganz stark an unsere heutige Zeit, an Fake News, du wirst dauernd von irgendwelchen Sachen beschalt und Neuigkeiten oder News dar.

00:08:09: Das hat für dich einen sehr, sehr starken aktuellem Bezug.

00:08:13: Und es gibt es werkwertig auch total her.

00:08:14: also es ist jetzt eigentlich relativ konventionell erzählt aber mit Mitteln die das alles in die heutige zeit bringen.

00:08:23: Ich finde, es geht sehr gut auf weil du genau dieselben Probleme eigentlich heutzutage genauso hast.

00:08:28: Es sind vielleicht heutzudage nicht mehr die Nobili, die adeligen Familien sondern halt dann politische Parteien aber das funktioniert eins zu eins eigentlich.

00:08:37: Okay also der dramaturgische Segen ist da.

00:08:40: ich habe mir nur überlegt weil wir darüber auch in letzter Zeit oft gesprochen haben wenn man diese Sichés also in die Gegenwart verlegt Und dann so ein Riesending auf dich niederprallt.

00:08:52: Vielleicht hat's auch was damit zu tun, dass ich wirklich sehr viele aktuelle Bezüge in letzter Zeit in der Opa gesehen hab.

00:09:00: Aber für dich als Publikum kann das dich natürlich auch komplett wegführen in diesem Fall von dieser großartigen Musik?

00:09:09: Findest du, dass es passiert?

00:09:12: Finde ich nicht!

00:09:13: Dafür ist... Das muss man ehrlich sagen, ist dieses Werk einfach zu voll von reihenweise Ohrwürmer.

00:09:19: Also du gehst da rein und du wirst mit diesen was ja bei Waggelsen gar nicht so üblich eigentlich ist aber du bist ein lauter Ohrwirmernbeschalt die du nicht mehr rauskriegst.

00:09:29: So gesehen geht die Musik dahinter für dich nicht unter Und ich finde das Spannende ist ja genau Du willst damit ober irgendwie immer wieder etwas Aktuelles erzählen.

00:09:41: Ansonsten würde es dir nie eine neue Produktion machen.

00:09:42: und das funktioniert Gerade bei diesem Werk jetzt besser als eigentlich bei vielen anderen.

00:09:48: weiß wirklich super mega aktuell ist, was da passieren.

00:09:54: Also ich bin auch immer ein bisschen kritisch.

00:09:56: okay funktioniert jetzt irgendeinen Werk aus dem achtzehnten, siebzehnten Jahrhundert auf einmal ganz toll nur weil wir es in die Jetztzeit verlegen und das finde ich mir ganz viel im Werken sehr schwierig.

00:10:08: aber in dem Fall liegt es so auf der Hand dass Ich glaube keine Diskussion darüber geht, weil es einfach super passt.

00:10:17: Also ich finde da sind Szenen drin wo du denkst hey ja könnt ihr genauso jetzt irgendwie bei der Abendscharme am Amt laufen?

00:10:25: Ist es dann das was warum dieses Werk manchmal so unterschätzt ist und vielleicht auch so ein bisschen weggeschoben wird?

00:10:34: Ich glaub dass da ganz viel mit dieser Rezeptionsgeschichte zusammenhängt, dass sich keiner daran wagt Versputzt dieses Werk oder sonst irgendwie.

00:10:44: Und das finde ich schade, weil man verliert dadurch wirklich ein tolles, tolles Werk, dass wirklich wahnsinnig viel zu sagen hat und es eben ihre Aktualität hat.

00:10:56: Ich meine die Schwierigkeit ist... Die ursprünglich glaube ich so netto Spielzeit von der Originalversion sind glaube ich fünf Stunden oder sonst irgendwas?

00:11:09: Also das wäre ein sehr, sehr langer Abend und es gibt der Arturpotenzial wo du mit der Schere oder mit dem Brotstift dran musst.

00:11:17: Aber wenn du das in eine ordentliche Form bringst kann das einen richtig coolen Abend werden und ist einfach wirklich ein tolles Werk mit sehr starkem Zeitbezug.

00:11:25: Das ist wirklich ne Message auch für uns heutzutage hat ohne dass du da irgendwie groß was reinigen partieren müsstest.

00:11:32: Wir wollen ja nicht zu erfüchtig damit umgehen.

00:11:34: deswegen gleich mal die Gegenfrage hinterher Was wird denn überschätzt?

00:11:39: Und da springt mich spontan, was du ganz am Anfang gesagt hast.

00:11:41: Ja, da hört man schon so ein bisschen die späteren Sachen.

00:11:45: Findest du es wirklich?

00:11:46: So dass man da schon ... Ach ja!

00:11:48: Das haben wir ja dann später wieder hier bei Loden kriegen.

00:11:52: Finde ich schon.

00:11:54: Es gibt einzelne Stellen wo sozusagen der spätere Wagner sehr deutlich zu hören ist und das ist auch ganz klar weil wenn du schaust wann das Werk Uhr aufgeführt wurde er hat eigentlich für Paris geschrien.

00:12:07: Er wollte ja mit dem Werk sozusagen in Paris reagieren, hat halt überhaupt nicht funktioniert.

00:12:13: Da hatte er überhaupt keine Chance, keiner hatte Interesse daran.

00:12:16: und dann wurde das Werk tatsächlich später erst den Dresden uraufgeführt.

00:12:19: Und zwar lustigerweise nur wenige Monate vor der Uraufführung des Hollenders, der ebenfalls in Dresen dann uraufführt wird.

00:12:26: also da liegen glaube ich wirklich lass es ein halbes Jahr sein aber wirklich wenig Zeit dazwischen So krass der Unterschied zwischen den beiden Werken ist, wo sie so nah beieinander sind.

00:12:36: Hörst du ganz viel von den späteren Sachen auch in dem Rienzi?

00:12:40: Also ganz oft finde ich hörst du okay das ist so der Wagner wie wir ihn von später kennen.

00:12:46: Ganz viele Reminiszen, gerade diese Chor-Szene für die ist ganz oft irgendwie Tannhäuser oder Lohngrinderen.

00:12:52: oder diesen heldischen Momenten von Rienci, der natürlich der klassische Helden-Tinor ist... Blickt man teilweise schon sehr weit in die Zukunft von Wagner.

00:13:04: Das ist eine Arbeit verpackt in dieses formelle Quassette einer großen Opera.

00:13:11: Es gibt dazu diese lustige Anekdote quasi, ich weiß nicht mehr von wem es ist aber Jariensi wäre ja die tollste Oper von Meyerbeer weil halt der Einfluss natürlich auch von Meyer behr allgegenwärtig ist.

00:13:30: also das Aber klar, Wagner wollte halt diese Grand-Ompara für Paris schreiben um dort zu resiieren.

00:13:36: Darum gibt es auch ganz klassisch im zweiten Akt dieses Palettes weil das halt in Paris so erwartet wurde.

00:13:43: Nur Volta ist in Paris leider kein Erinner zu dieser Zeit.

00:13:48: Nice try!

00:13:49: Die hatten damals noch den echten Maierbücher.

00:13:54: Oh Gott, so dank wusste ich das nicht als

00:13:55: ich das gemacht habe.

00:13:59: Ich wüsste nachstand von wem dieses Zitat ist aber das Ganz berühmte Anekdote dazu.

00:14:05: Dann lass uns doch gleich in der wunderbaren Musik Maja Beers Wagner zu schreiben.

00:14:13: Was ist denn abgesehen von diesen Ausblicken für dich die musikalische Stärke, wenn du es jetzt frisch im Ohr hast?

00:14:22: Es ist einfach wirklich ein irre Werk weil Wagnahe hat wirklich alles vom diesem Genre Grand Opera total ausreizt.

00:14:33: absolut wahnsinnige Massen-Szenen, Duette, Terzette.

00:14:38: Alles was die Grand Opera so ausmacht ist da drinnen und zwar wirklich.

00:14:42: dann mit diesem irren Orchester klang das auch selbst für Grand Opera Verhältnisse schon sehr sehr groß ist typisch Wagnerheit.

00:14:50: Und dann hast du einfach diese irre Musik wo du merkst er zieht Inspiration aus allem raus was ihr so kennt ob da jetzt Italienische Oper, Belcanto eben Grand Opera oder auch das wo es von deinem eigenen Stil schon da ist.

00:15:07: Also da sind Sachen drin.

00:15:09: also die Partie der Irene zum Beispiel, die Schwester von Rienzi hat da teilweise wenn du sie nicht irgendwie streichst Kolleraturen drin.

00:15:17: Du brauchst aber gleichzeitig die Stimme dass du über dieses Orchester drüber kommst.

00:15:20: Das heißt du brauchst eigentlich ein Wagnersobran der irgendwie auch Kolleraturen singen kann.

00:15:25: Also es

00:15:25: ist,

00:15:26: also anforderungsmäßig absolut irre was er davon von den Leuten erwartet.

00:15:30: Der Rienz ist auch eine irre Partie die wirklich lang ist.

00:15:34: du bist dauernd irgendwie gefühlt auf der Bühne Du singst dauerend irgendwie super gegen das riesen Orchester, gegen den Chor, das holst du an?

00:15:41: Es ist... Du brauchst da wirklich irre Ausdauer dass du da durchkommst und es ist so ein bisschen irgendwie Grand Opera aufs Terroinen

00:15:52: Auch ein schönes Film.

00:15:54: Also es ist wirklich, du hast halt diese Bewegtheit in der Musik und andererseits halt diese Massen die einfach einen Sound erzeugen wo du auch drüber kommen musst.

00:16:03: Es ist da hingegen irgendwie fast ein unmögliches Werk.

00:16:08: Ja dann, als Stimmenpapst für wen ist das denn geschrieben worden?

00:16:12: wenn das so...

00:16:13: Das frag ich mich auch!

00:16:15: Wahnsinnig individuell ist!

00:16:16: Ab Rienzi klar, das ist so der typische Heldentinoor einerseits Und andererseits hat er aber ausgerechnet am Beginn des letzten Akts dieses berühmte Gebet.

00:16:28: Das glaube ich, wenn der Namerian sich irgendwie fällt dann kennt man meistens das und das ist ja eigentlich so genau das Gegenteil vor dem Heldentier.

00:16:36: Das ist wirklich so eine wirklich ruhige getragene schöne Aria mit schönen Linien und so.

00:16:42: und da eigentlich hast du diesen Ränse die eigentlich die ganze Zeit brüllt und dann muss er bei den letzten Aktern noch diese wirklich getragene Ariasenken, was allein schon absoluter Wahnsinn ist.

00:16:54: Und ich glaube es war irgendwo in einem Briefwechsel hat Wagner auch selbst gesagt der Rienzi berühlt sich durch die ganze Operdur.

00:17:02: also ich glaub ihm war das schon selbst durchaus bewusst.

00:17:07: Was ich aber spannend finde an dem ganzen Stück du hast eigentlich zwei Arias nur in diesem ganzen Stück.

00:17:15: Das eine ist eben dieses Gebet von dem Rienzieh Und die andere Aria ist ziemlich genau in der Mitte vom dritten Akt, die große Szene des Adriano.

00:17:24: Die Hosenrolle, oder der oder die da jetzt eine große Szine und Aria hat.

00:17:31: Das sind die einzigen Arren, die diesen ganzen Stück vorkommen.

00:17:34: Da bei dieser Aria merkst du wiederum total einen Einfluss aus dem italienischen Belcanto.

00:17:39: Also das könnte ... Da merkst Du, Wagner mochte irgendwie Bellini und hat sich da inspiriert gefühlt und hat diese Aria geschrieben Belcanto, pur.

00:17:49: Nur halt dann mit einer echt dramatischen... ...Grabaletta werden wir so sagen können!

00:17:55: Du merkst einfach eher, er nimmt sich von überall was ihm so gefällt und baut das in sein eigenes riesiges Monster rein.

00:18:03: Was muss man denn heute mitbringen?

00:18:06: Also was glaubst du musst man gesungen haben um jetzt zum Beispiel Rienzi zu machen oder eine gute Irene zu sein?

00:18:15: Man muss es halt glaube ich gut einteilen war ansonsten ruinierst du dich glaube ich damit.

00:18:20: Bei Irene ist es tatsächlich so ein bisschen schwieriger, also da... das ist wirklich anfördungsmäßig absolut irre und sie hat halt nur Duette oder Terzetto oder sonst irgendwie Szenen.

00:18:30: wo sie dabei ist singt er andauernd wirklich schwierigstens zurück ohne jemals irgendwie nur eigene eigene Aria zu bekommen.

00:18:37: Ich glaub dass das nächste wo sie an der Aria ist, ist das große Duett im letzten Akten mit dem Rienz, mit ihrem Bruder.

00:18:43: Das ist näher kommt sie nicht Aber trotzdem musste im Prinzip dauernd wirklich schweres Zeug singen.

00:18:52: Interessant beim Erdriano ist, dass es halt eigentlich so eine bisschen Zwischenfachpartie zwischen Sopran und Mezzosopran... ...und lustigerweise in der Hosenrolle war sie bei Wagner ansonsten ja nicht mehr wirklich...

00:19:02: Das verschwindet dann, ja?

00:19:03: ...das

00:19:03: vielleicht bei den Knappen oder bei Passefallen hat.

00:19:06: Ja!

00:19:06: Aber das ist so ne wirkliche Hauptrolle die in der Hosentrolle ist.

00:19:10: auch das... Da greift er später eigentlich immer wirklich drauf zurück.

00:19:15: Also du brauchst halt eben einerseits Leute, die wirklich über das Orchester drüber kommen.

00:19:19: Also wegen der großen Stimme haben aber andererseits auch eine flexibel Stimme um diesen teilweise ganz seltsamen Wendungen aus italienischer Oper oder sonst irgendwie gerecht zu werden.

00:19:32: Daran liegt die Schwierigkeit und darum ist es wirklich schwierig das zu besetzen.

00:19:37: Und vor allem es ist halt auch, du hast da wenig Leute auf die du zurückgreifen kannst weil die's schon mal irgendwo gesungen haben.

00:19:42: Also wenn du Tristan oder so hast dann hast du irgendwie in der Umgebung sicher Leute die das irgendwie schon mehrmals gesungen habe.

00:19:48: aber Rienzi taucht halt nicht so oft auf.

00:19:51: dementsprechend sind wieder Poolansängern die das schon draufhaben die sie sich nicht erst irgendwie rauf lernen müssen relativ überschaubar.

00:20:00: Da musst du gut in die Biografien eintauchen, wahrscheinlich wenn du das karsten willst.

00:20:05: Um zu gucken wo sind denn da die Anlagen dafür?

00:20:09: Auch ein spannender Fall hatten wir auch noch nie.

00:20:11: Augen und Ohren offenhalten

00:20:15: Wir haben uns jetzt gerade schon bei Adriano bisschen aufgehalten weil das musikalische interessant interessante Partie ist.

00:20:20: aber ich habe dann auch nochmal so reingelesen Und dann ist mir das auch wieder aufgefallen dass Das glaube ich eigentlich auch die spannendste Rolle da drin fand, weil da so ein bisschen Ambivalenz und dieser Loyalitätskonflikt drinnen

00:20:34: ist.

00:20:35: Der persönliche Konflikt ist ja bei Adriano fast am größten.

00:20:39: Also wir schauen zwar dem Rienzi zu wie er eben von diesem quasi niemand aufsteigt zum großen Volksdebund, zum großen Macher und dann eigentlich wieder abstürzt aber da ist eigentlich nicht der große Konflikte.

00:20:53: Also das ist sozusagen sein Konflikte.

00:20:56: Aufstieg und Verhalter von Rienzi.

00:20:58: Bei Adriano ist es halt spannender, weil Adriano eben Teil dieser Colonna-Familie, diese adeligen Familie ist und damit ja eigentlich sozusagen der Feind aber verliebt in die Irene.

00:21:11: Und dadurch ergibt sich für ihn dieser persönliche Konflikt, weil einerseits will also seiner Familie loyal sein.

00:21:17: Und andererseits ist er auch von dem Rienzi irgendwie begeistert, das Volk sollte alles in der Hand haben und ihm der Liebe zur Irene.

00:21:27: Das gibt natürlich dann darin – das Spoiler!

00:21:31: In einem Krieg gegen diese ganzen adeligen Rienzie Colonna und den Anführer von den Orsini tötet.

00:21:40: Der Anführerin von den Colonna ist eben der Vater von Adriano kippt das dann so ein bisschen für die Adriane zumindest und erschwört halt Rache, obwohl aber gleichzeitig Irene noch liebt.

00:21:53: Dieser innere Konflikt ist natürlich jetzt auf der persönlichen psychologischen Ebene definitiv zerspannendster.

00:22:00: in einem Werk also dass eine psychologische Tiefe hast du bei den anderen Charakteren auch bei Rienze eigentlich nicht

00:22:07: dass das wieder schön.

00:22:07: was zum Reindenken, weil es auch... Es erinnert dir so ein bisschen an diese klassische Romeo und Julia-Geschichte.

00:22:13: Aber viel cooler und diffizueller aufgrund dieser politischen Konflikte und Lager die da mit rein spielen.

00:22:19: Und der sich ja nicht komplett hingebungsvoll in diese Liebe reinschmeißt und dann sagt ich breche mit allen sondern er verfolgt ja schon auch Interessen und ich glaube das kann man in einer guten Personenführung auch sehr stark und markant rausstellen.

00:22:33: Total!

00:22:33: Und jemand durch diesen Konflikt Und da kommen wir wieder zurück zur Handlung.

00:22:41: Kippt ja auch für Rienzi dann die ganze Geschichte, weil er hat dann irgendwann... Das passiert eben genau in diesem dritten Akt wo Adriano sozusagen diesen Kipppunkt hat, kippt die Stimmung gegen ihn, weil dieser Krieg gegen diese Nobili, gegen die Adeligen da ist und das verzeiht ihm das Volk nicht so wirklich.

00:23:01: Das darauf folgenden Akt stichelt, dann Adriano das Volk nochmal weiter gegen Rienzi auf und dadurch... Dadurch... Also ich werde sagen, dadurch geschieht dieser Fall aber dadurch wird er es halt noch mal beschleunigt.

00:23:14: Und im Prinzip ist er selber dann auch irgendwie leidtragender weil er eigentlich nur die Hoffnung hat, dass er Irene irgendwie von Rienci weg kriegt und Irene haben kann und trotzdem den Rienzli loswird.

00:23:24: Aber auch da wie der Smoller am Ende geht das nicht gut aus!

00:23:30: Sonst wäre es ja keine Opa.

00:23:33: Aber ich muss noch sagen, dieses Finale ist auch absolut irre!

00:23:38: Das bohlen wir natürlich das ganze Ding.

00:23:40: am Ende steht Rienzi und Irene auf dem Balkon des Kapitols vor dem aufgebrachten Volk die ihn stürzen wollen und zünden quasi das Kapitol an.

00:23:51: und dann in einem riesen bombastischen Finale stürzt das Kapitel zusammen und bekräbt alle unter sich.

00:23:59: Also allein das ist so epic.

00:24:02: Es

00:24:04: gibt hier nichts mehr zu holen, es gibt

00:24:07: alles absolute Apokalypse was auch wieder typisch Wagner ist.

00:24:12: Ich finde Rienzi ist so... man kennt doch diese alten antiken Schinkenfilme Und ich finde Rjenze ist so das Opernpondant von Ben Hur und uns... keine Ahnung war das Der Ben-Hur der Oper?

00:24:29: Ja, aber schön dass wenn du es jetzt so plakativ hinstellst und sagst mit diesem alles krach zusammen und alles geht unter.

00:24:36: Da sehen wir ja dann auch schon wunderschön den Ring auf uns zu kommen oder?

00:24:40: Genau!

00:24:40: Also ich muss doch sagen, das kommt da ganz viel vom späteren Wagner ist er schon drin.

00:24:45: Toll sehr konsequent.

00:24:46: Da ist der wirklich endlich.

00:24:47: Alles zusammen Feuer, das bin ich in Götterdämmerung oder in Rehenzien.

00:24:52: Die Musik macht einen Unterschied.

00:24:53: Was würdest Du denn jetzt jemandem mitgeben Jetzt mal die Gelegenheit hat, das wirklich anzuschauen.

00:25:01: Sich erst einmal auf die Musik zu konzentrieren oder auf die Handlung mit diesen verschiedenen psychologischen Konflikten, die einem vielleicht selber auch ein bisschen was zum Nachdenken geben können?

00:25:14: Ich glaube dass es tatsächlich sehr parallel läuft weil eben die Musik da tauchen ganz viele Themen die immer wieder auftauchen also gewisse Wiederholung, also es kommen Themen immer wieder.

00:25:27: Darum ist das spannender als diese Overtüre an so der Putpourri-Overtür wo ganz viele Themen aus der ganzen Oper quasi kommen.

00:25:33: Das heißt noch bevor die Handlung überhaupt angefangen hat hast du ganz viele von den Themen die später kommen schon gehört und ich glaube dass sich das ganz gut verbindet eigentlich, weder die Handlungen von der Musik ab lenken auch andersrum.

00:25:48: Ich glaube funktioniert ganz gut weil es wirklich diese eingängigen Melodien hat.

00:25:54: Und in den Momenten, wo du diese großen Szenen hast, dann passiert auch gerade in der Handlung relativ wenig.

00:26:01: Vielleicht hat es sich von dieser typischen Ari-Instruktur inspiriert gefühlt, wenn die Ari gesungen wird, dann passieren sie relativ wenig, sondern es ist mehr so Atmosphäre schaffen.

00:26:12: Ich glaube das passiert da auch noch relativ oft, dass wenn du musikalisch sehr eingängige Momente hast, dass da eigentlich handlungsmäßig wenig passiert

00:26:21: Und macht das dann die Länge auch?

00:26:23: Also diese gefühlte Länge, was ja schon eine Schwäche ist.

00:26:28: Ja, schon weil er sich da ganz viel wiederholt.

00:26:30: Es ist ganz oft so dass ... Er bringt so ein Thema rein und es singt dann irgendwie alleine.

00:26:37: Dann kommt irgendwie das Ensemble dazu und dann kommt nur mal der Chor dazu.

00:26:40: Es wird immer größer.

00:26:43: Das hat fast wie bei Rossini.

00:26:47: Da ist also klein anfängt oder wird's immer größerer.

00:26:51: Der vielleicht Petrosini ist jetzt ein bisschen schwach, aber dadurch dauert das einfach alles.

00:26:57: Wenn du das einmal alleine singst und dann nochmal die ganze Wiederholung sammeln und dann noch mal die ganze wiederholung im Chor, dauert es einfach ewig lange.

00:27:05: Es ist auch in dieser gekürzten Fassung immer noch ein sehr langer Abend.

00:27:10: also der erste Teil mit den ersten beiden Akten dauert fast zwei Stunden.

00:27:16: Also das ist auch wieder Götter Dämmerung.

00:27:20: Wenn wir jetzt zu unserem Urteil kommen, ich wollte mir ja heute fast keines erlauben weil es einfach wie gesagt nur einmal gesehen habe und mich ansonsten nur theoretisch damit beschäftigt haben.

00:27:29: aber so nach einem was wir jetzt besprochen haben würde ich in dem Fall wahrscheinlich sagen so eine gelegentliche Wiederaufnahme Cool, weil muss auch gut gemacht sein.

00:27:38: Sonst sind wir ganz schnell wieder bei diesem Thema.

00:27:40: Warum es nie aufgeführt wird?

00:27:42: Weil zu groß, zu schwierig, zu problematisch.

00:27:44: Das jetzt zu meinem.

00:27:45: aber das interessantere Urteil heißt ja heute auf jeden Fall du also.

00:27:49: Ich glaube definitiv Repertoire, aber eben dadurch dass es keine Fassung aus letzter Hand gibt musst Du die vorher mit dem Werk irgendwie als aus dramaturg beschäftigen und erst mal überhaupt eine fassung erstellen Sinn macht und die mit der mal arbeiten kann, weil ansonsten ist es erstens zu lang einfach.

00:28:10: Es ist eh jetzt in der Fassung auch relativ lange was man in Bayreuther machen kann, Weil man ja früh genug anfängt habe.

00:28:16: ich sage mal für das Repertoire Theater wäre das eigentlich schon fast zu lang.

00:28:20: Also ich kann mich erinnern, ich hatte eine Vorstellung mal gesehen an der deutschen Oper in Berlin.

00:28:25: Die haben sehr rigoros also fast schon zu krass gekürzt.

00:28:29: da war das ganze Abend glaube ich in drei Stunden vorbei inklusive Pause.

00:28:36: Also das war dann ein bisschen gar rigoros, aber du musst halt erstmal eine Fassung erstellen.

00:28:40: Ich glaube, dass ist vielleicht auch abschreckend warum Theater sich etwas davor scheuen.

00:28:46: Aber wenn du da eine sinnvolle Fassung erstellst und mit einer coolen Idee daran gehst, definitiv Repertoire!

00:28:52: Das ist ein geiles

00:28:53: Stück.

00:28:53: Und natürlich noch wie jedes Jahr der Tipp an alle die das mal in Bayreuth sehen sollten.

00:28:59: ihr müsst euch für dieses Ding diese Sitzkissen holen.

00:29:03: Sonst erleidet ihr Schmerzen, oder?

00:29:06: Wobei?

00:29:07: ich kenne schlimmere Sitze als Bayreuth.

00:29:11: Du musst ja jetzt die Ehre rennen!

00:29:14: Das war unsere Sommerfolge aus und über bayreuth.

00:29:18: in der nächsten gehen wir dann nach Salzburg.

00:29:21: du wirst in der Zwischenzeit auch nach Salzburger kommen und dir das anschauen und da sind wir wieder mal bei einem unserer Lieblingsdos.

00:29:30: Ja, da könnt ihr jetzt ja mal überlegen von wem das sein könnte und wenn wir es als Burg sagen, welches Werk.

00:29:36: Viel Spaß beim Rätseln und bis zum nächsten Mal!

00:29:38: Tschüss.

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